Interview mit Susu Padotzke

(Oktober 2026 München)

 

© Phil Vetter

Bayerische Kultserien: Du bist jetzt seit 10 Jahren bei „Hubert ohne Staller“ dabei. Stimmt es, dass Du die Serie davor eigentlich gar nicht kanntest oder gesehen hast?

Susu Padotzke: (lacht) Das stimmt. Ich bin aber jemand, der allgemein wenig Serien kannte. Als Kind durfte ich kein Fernsehen schauen, und in meiner Jugend habe ich Operngesang studiert und ganz viel Musik gemacht - da kam ich gar nicht dazu. Erst jetzt so langsam nähere ich mich dem Ganzen an. (lacht)

B K: Dann wusstest Du ja gar nicht, worauf Du Dich einlässt.

S P: Nein. (lacht) Aber ich habe dann natürlich angefangen die Serie zu schauen und sofort geliebt.

B K: Dir war dann auch nicht bewusst, dass „Hubert und Staller“ zu diesem Zeitpunkt schon so beliebt bei den Zuschauern war?

S P: Überhaupt nicht.

B K: Du warst mit 29 Jahren eine Späteinsteigerin, was den Schauspielberuf angeht. Warum war das so?

S P: Ich war eben erst auf musikalischen Pfaden unterwegs. In meiner Kindheit habe ich ganz viel Musik gemacht und Instrumente gespielt und mit 16 Jahren begonnen, klassisch zu singen. Mit 19 Jahren hatte ich die Aufnahmeprüfung und habe dann erstmal Operngesang studiert. Mezzosopran, bevor ein paar Irrungen und Wirrungen in meinem Leben dazu kamen. Danach habe ich mich umorientiert, meine erste Tochter bekommen und mit 29 Jahren begonnen, Schauspiel zu studieren.

B K: Was waren denn die „Irrungen und Wirrungen“, wenn ich fragen darf?

S P: Ich habe für ein paar Semester Deutsch und Musik an der pädagogischen Hochschule in Freiburg studiert. Dann habe ich eine Theaterpädagogische Ausbildung gemacht. Das alles kam durch ein psychisches Tief, da sich während meines Gesangsstudiums Panikattacken entwickelt hatten. Da musste ich mich erstmal selbst wieder finden und auch herausfinden, was in meinem Leben gut für mich ist und was ich überhaupt möchte.

B K: Spukte der Wunsch Schauspielerin zu werden schon vorher in Deinem Kopf?

S P: Witzigerweise ja, wenn ich so zurückdenke. Man sagt ja, man soll Kindern glauben, wenn sie sagen, dass sie irgendwas Bestimmtes werden wollen, weil sie oft im Laufe Ihres Lebens dorthin zurückkehren, auch wenn sie davor etwas anderes gemacht haben. So war es bei mir auch. Ich habe immer gesagt, ich möchte Schauspielerin werden, aber dadurch, dass es in meiner Familie immer so viel Musik gab, bin ich erstmal diesen Weg gegangen. Nach meinem Schauspielstudium war es dann klar, dass ich entweder nach Berlin oder nach München muss. Zusammen mit meinem Mann haben wir uns dann entschieden, dass München mit Kind doch noch ein bisschen schöner ist. (lacht)

B K: Stimmt es, dass Du für die Rolle bei „Hubert und Staller“ damals gar kein Casting machen musstest?

S P: Das ist richtig. Der damalige Produzent Oliver Mielke, den ich schon von diversen anderen Projekten kannte, hat mich damals angerufen und er fragte mich,ob ich in die Fußstapfen von Kathrin Thaler treten möchte.

Foto: ARD/TMG/Chris Hirschhäuser

B K: Die Serie war schon etabliert und das Team eingespielt. Wie war es da, als „Neue“ dazuzukommen?

S P: Ich war natürlich erstmal auf dem Prüfstein. Nach einer „Probefolge“ sozusagen, bei der ich in der Rolle noch nicht die Pathologin, sondern eine Burnout-Patientin gespielt habe, haben sie mich erstmal drei Wochen warten lassen. (lacht) So einfach war es also nicht. Aber so eine Änderung bei einer beliebten Serie ist ja immer erstmal schwierig.

B K: Der Probelauf dann quasi nicht als Ärztin, sondern als Patientin?

S P: Da war ich eine Pathologin mit Burnout, genau. So gesehen eigentlich das härteste Casting der Welt. (lacht) Ich habe in dieser Folge natürlich um mein Leben gespielt.

B K: Im medizinischen Bereich hattest Du ja keine Erfahrung. Eher im Gegenteil, oder?

S P: Richtig. Mit Medizin und Krankenhäusern habe ich es eigentlich so gar nicht. Pathologen studieren tatsächlich 12 Jahre lang, bevor sie diesen Beruf ausüben. Sechs Jahre Medizin und sechs weitere Jahre Pathologie, also Facharzt. Den Beruf hätte ich niemals gewählt und auch Krankenhäuser sind nicht unbedingt mein Lieblingsort. Und Tote auch nicht meine Lieblingsbeschäftigung. (lacht) Aber gerade deswegen fand ich die Rolle auch cool.

B K: Konntest Du Dich trotzdem darauf vorbereiten oder in Erfahrung bringen, was eine Pathologin genau macht?

S P: Ich habe ein Weilchen davor mal eine Anästhesistin gespielt und bin dafür in ein Krankenhaus gegangen und habe dort hospitiert. Davor konnte ich die ganze Nacht nicht schlafen, weil ich mir sicher war, dass ich im OP kollabiere und man sich dann auch noch um mich kümmern muss. (lacht) Dem war aber dann nicht so. Ich bin da voller Bewunderung raus und habe mir gedacht, Wahnsinn was diese Menschen da leisten müssen, mit ihren 3 – 4 Operationen am Tag. Und jedes Mal die Verantwortung für ein Menschenleben, Hut ab! In einer echten Pathologie war ich aber noch nicht.

B K: Weißt Du noch wie viele Leichen Du mittlerweile auf dem Tisch liegen hattest?

S P: (überlegt) Ich glaube ich bin in Folge 116 eingestiegen und Mitte November kommt die 200. Folge. Wir haben auch schon einige danach gedreht…(überlegt) Ich würde mal sagen, so gute 100 Leichen dürften es schon gewesen sein.

B K: Immer echte Menschen, oder auch mal Dummys?

S P: Mal so, mal so. Überwiegend sind es Statisten, die ich nicht beneide, denn es ist ganz schön schwer eine gute Leiche zu sein.

B K: Hast Du selbst denn schon mal eine Leiche gespielt?

S P: (überlegt) Jetzt wo du fragst, stimmt. Meine erste Rolle war eine Moorleiche. (lacht) Da habe ich in Stuttgart bei einem Studentenfilm mitgespielt. Ich war da zwar nicht nur Leiche, aber irgendwann wurde ich in einem Moorschlammbad ertränkt. Es war gruselig das zu spielen. (lacht)

B K: Deine Vorgängerin in der Rolle, Anja Licht, war die Ex-Frau von Franz Hubert. Zwangläufig gab es da immer Reibereien. Zwischen Caroline Fuchs und dem Hubsi herrscht manchmal eine ganz andere gegenteilige Spannung.

S P: Ja, schon. Die Fans haben diese Reibereien auch vermisst, was ich total verstehe. In meiner Rolle als Caroline Fuchs gibt es diese klare Haltung nicht. Wir spielen so ein bisschen mit dem Feuer und ich weiß auch, dass immer wieder danach gefragt wird, ob Hubert und Caroline mal zusammenkommen. Wir wissen es selbst nicht. (lacht) Da müssen wir uns ein bisschen überraschen lassen, was den Drehbuchautoren so einfällt. Aber wieder so eine Konstellation wie davor, wäre auch etwas langweilig gewesen.

Entertainment Factory Film- und Fernsehproduktions GmbH im Auftrag von ARD

B K: Als Pathologin hast Du die fachliche Kompetenz, ordnest die Sachverhalte und bist oft Pointengeberin für die Kollegen. Die Klassiker-Frage für eine Schauspielerin: Wie viel Privates steckt in der Rolle?

S P: (überlegt) Das ist schwierig. Es steckt natürlich immer ein hoher Prozentsatz von einem selbst drin. (überlegt weiter) Ich wäre gerne so schlagfertig wie sie, da bin ich nicht immer so tough. Mir fallen Dinge immer erst später ein, wenn es schon vorbei ist. (lacht) Das kann Caroline Fuchs besser. Abner das Professionelle und das sie die Dinge ernst nimmt, die sie tut, das entspricht mir schon. In meinem Kopf hat sie eine Geschichte, die auch meine sein könnte.

B K: Die Serie ist nach wie vor sehr beliebt und die Fans fiebern den neuen Folgen entgegen. Was macht die Faszination „Hubert ohne Staller“ aus?

S P: Erstens ist es glaube ich, eine ganz besondere Art von schwarzem Humor. Wir wären ja gerne noch schwärzer, kriegen da aber meistens auf die Finger. Oft reagieren die Rollen in unserem Format so, wie man es sich im wahren Leben nicht trauen würde, weil man so etwas eben nicht sagt oder macht, aber genau freut die Zuschauer glaube ich auch, denn da finden sie sich wieder. Dann natürlich das Schauspiel meiner Kollegen. Das sind einfach Leute, die wissen, wie Komödie geht und das ist ganz wichtig, damit es funktioniert. Letztendlich geht es nicht um die Mordfälle, sondern um die Art und Weise, wie die zwei durch Wolfratshausen stolpern und aus Versehen die Fälle klären. Zusammen mit der schönen Landschaft ist das kurzweilig, tut nicht weh und ist deshalb so beliebt.

B K: Und trotzdem hat man manchmal das Gefühl, das deutsche Fernsehen ist nicht mutig genug, um so etwas öfter zu machen.

S P: Ja genau. Es fehlt oft der Mut. Da habe ich das Gefühl, dass man sich z.B. in Österreich mit manchen Drehbüchern mehr traut. Woran das liegt, weiß ich nicht. Ich glaube es gibt schon tolle Ideen, aber oft wird’s dann zu glattgebügelt und brav. Dann fehlt genau der Funke, der es kultig machen würde.

B K: Deine beiden Töchter sind auch Schauspielerinnen. Hast Du sie nicht davor gewarnt?

S P: (lacht) Sagen wir mal so: Ich habe nicht gesagt, dass sie es tun sollen, aber ich habe es auch nicht verhindert. Bei uns hat eine Nachbarin eine große Kinder- und Jugendagentur. Sie hat viel von meinen Töchtern mitgekriegt und ich glaube Kinder von Schauspielern werden gerne gefragt, weil die das Leben schon mitbekommen haben, wissen wie es funktioniert und wissen, dass man nicht sofort Millionär und Superstar ist, nur weil man mal im Fernsehen auftaucht. Meine Einstellung war, sie sollen es probieren, wenn sie wollen. Bei jeder Anfrage haben sie selbst entschieden und scheinbar ganz gut gemacht. Meine Große hat in der 14. Staffel eine Episodenrolle übernommen und scheinbar hat sie es auch sehr gut gemacht. Ich bin gespannt.

B K: Du hast Deine musikalische Ausbildung schon angesprochen. Katharina Müller-Elmau, die Revierchefin Sabine Kaiser spielt, hat auch einen musikalischen Background. Schon mal überlegt etwas zusammen zu machen?

S P: Wir alle zusammen? Tatsächlich sind alle in unserem Team sehr musikalisch. Hannes Ringlstetter macht Musik und Christian Tramitz ist unglaublich musikalisch und hat auch mal Geige studiert soweit ich weiß. Katharina und ich haben aber noch nie darüber nachgedacht.

B K: Eine „Hubert ohne Staller“-Band wäre doch eine gute Idee.

S P: (lacht) Stimmt. Wer weiß. (lacht)

 Foto: ARD/Thomas Neumeier

B K: Spätestens beim Fünf Seen Filmfestival, bei dem die neuen Folgen Premiere hatten und bei dem Ihr als Darsteller auch anwesend wart, hat man bei fast 1000 Besuchern gesehen, welche Beliebtheit die Serie hat.

S P: Das hat uns auch wirklich umgehauen.

B K: Wirst Du auch privat oft erkannt und angesprochen?

S P: Mir wird rückgemeldet, das dem so ist. Ich bemerke das nicht so, wie die Leute, die mit mir unterwegs sind. Ich werde nicht oft direkt angesprochen. Nur manchmal, aber nicht so, dass ich davon genervt wäre. Ich glaube dort wo ich lebe und rund um die fünf Seen, sind so viele Schauspieler unterwegs, dass die Leute das gewöhnt sind.

B K: Bei so vielen Folgen, ist die Frage nach einer persönlichen Lieblingsfolge wahrscheinlich schwer, aber was gibt es denn für lustige Situationen beim Drehen?

S P: Christian und ich hatten mal einen ultimativen Lachanfall, den ich nie vergessen werde. (überlegt) Ich kann leider nicht mehr sagen, wie die Folge hieß, ich weiß nur noch, dass es darum ging, dass der Täter in einem Katzenklo eine Fußspur hinterlassen hat. Hubert fragt mich in der Situation, ob ich glaube, dass der Täter da reingeschissen hat. (lacht) Das hat uns beide gekillt. Schon vor dem Start der Szene und der Regieanweisung mit „Und bitte!“, konnten wir nicht mehr. Ich glaube wir brauchten einige Anläufe, um das zu packen. Irgendwann habe ich die Folge mal wieder gesehen. Und wenn man ganz genau hinschaut, dann merkt man, dass wir kämpfen. Eine weitere lustige Folge, auf die ich mich freue, kommt erst noch. Sie ist glaube ich noch in der 13. Staffel und spielt an Fasching. Dort löten sich Frau Kaiser und Frau Fuchs bei einer Feier richtig einen rein. (lacht) Das zu spielen hat einen Mordsspaß gemacht. Selbst gesehen habe ich die Folge aber auch noch nicht. Da gab es auch ein paar Momente, wo wir richtige Lachanfälle hatten.

B K: Du bist schon relativ lang in Bayern. Hast Du eine persönliche bayerische Lieblingsserie?

S P: (überlegt) Ich erinnere mich an eine Serie, zu der mir aber der gerade Name nicht einfällt. Da ging es um einen koksenden Bürgermeister…

B K: Dann war es die Serie „Hindafing“ mit Maximilian Brückner.

S P: Ja genau. Die fand ich geil. Das hat mir sehr gefallen.

B K: Susu, vielen Dank für das Gespräch.

S P: Ich danke Dir!

 

Seit dem 14. Oktober 2026 laufen mittwochs um 18:50 Uhr die letzten frischen Folgen der 13. Staffel (unter anderem die 200. Jubiläumsfolge „Tote Zeugen singen nicht“).

Die 14. Staffel startet direkt im Anschluss ab Mittwoch, den 2. Dezember 2026 um 18:50 Uhr im Ersten und online.

 

 
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